tracking

Monday, February 7, 2011

La Monnaie Parsifal | The Minister Speaks

Thomas Johannes Mayer
aka The Minister


As previously mentioned, my kids can be brutal with the nicknames. Today's victim is Thomas Johannes Mayer. They took a little too much glee in watching him walk in the very final moments on the treadmill during his aria. Suffice it to say, Thomas would rather not be on it.

Thomas' talent is hard to be contained. I first encountered him at Salzburg festspiele in Lulu and he was larger than life, and has the voice of God himself. And when Opera Cake say's he's a personal favorite, you get a sense this is an important performer. He is not to be missed. He won't let you. :-)


Here is installment #2 in a series of interviews of people involved with the Castellucci production of Parsifal. What emerges is someone who deeply cares about his craft and has the intellect to back it up.
Thank you Thomas Johannes for taking the time to answer. And thanks to my son for translating the questions into German so he wouldn't know just how poor my German writing skills are.
Both photos by Bernd Uhlig
(Tranlate this entire page here. Seriously. Do it. Its worth it.)
Wie fuehlt es, in Ihrer eigener Sprache zu singen? 

Generell hat jede Sprache spezifische Eigenschaften und Besonderheiten, die das Singen in der jeweiligen Sprache ebenso spezifisch und besonders machen. Der Klang der Stimme und die mit der Sprache verbundenen technischen Herausforderungen verändern sich. Gleichsam verändert sich mit den unterschiedlichen phonetischen Parametern der verschiedenen Sprachen auch der Geschmack bei der Entwicklung einer landestypischen Tonsprache. Das heißt, in einer Sprache zu singen bedingt immer, sich auf die jeweilige in Wort und Ton gefasste Mentalität und Lebensart einzulassen.

In meiner Muttersprache zu singen bietet mir natürlich eine ganz grosse Palette an nuancierten Ausdrucksmöglichkeiten. Dennoch bleibt auch für mich die Frage der Interpretation einer historischen und formellen Sprache wie sie z.B. Wagner vorgibt. Auch ich komme als Muttersprachler nicht um eine genaue musikalische Textanalyse herum. Auch für mich ist es ein ständiges Abenteuer, auf den Spuren von Wagners Gedanken zu wandeln und ein ständiges Reiben an dem Abenteuer, das Wagner selbst bedeutet.


Erklaer mir die vokalische Anforderungen, Amfortas zu singen. Was sind die groessten Herausforderungen? Was geniessen Sie am meisten?

Amfortas ist eine sehr spezielle Partie. Musikalisch gesehen ist es nach meiner Auffassung das reifste, progressivste und gleichzeitig bewegendste was Wagner komponiert hat. Die Herausforderung bei dieser Partie liegt im Wesentlichen darin, den wahren Ton zu finden. Amfortas Klagerufe haben nichts mehr mit gewöhnlichem Operngesang zu tun. Hier ruft ein Mensch um Hilfe und sein Leiden ist kein privates Arioso von Liebe, Lust und Eifersucht, sondern hier wird eine existenzielle Frage gestellt. Eine Frage um Leben, Tod und Sterben, ohne jeglichen Zynismus und Weltverneinung, wie man das so oft bei den Bariton Protagonisten von Verdi oder Puccini erlebt. Die Frage um Erlösung, der sich Amfortas in seinem Leiden stellt, wird beim Singen dieser Partie gleichsam auf einen selbst projiziert und dies hat eine unvergleichliche kathartische Wirkung nach innen und aussen.

Der Disziplin von Unbewegtheit in dieser Produktion von Parsifal ausgeliefert zu sein, war eine Herausforderung für uns beide. Wie sind Sie so erfolgreich?

Wahrhaftig, wir Sänger sind während der ganzen Inszenierung ausgeliefert. Nicht nur durch das Stillstehen. Wir sind sogar abhängig von vielen Faktoren, die nicht in unserer Macht liegen. Die Bewegungslosigkeit ist gestalterisch aber die grösste Herausforderung. Wenn man sich nur rudimentär auf der Bühne bewegt und seine ganze Konzentration auf das Singen und Interpretieren von nicht vorhandenen Dingen und Beziehungen legt, ist das sehr schwer.

Plötzlich bekommt alles einen anderen Stellenwert. Das Empfinden für das Suchen nach dem richtigen interpretatorischen Ton wird geschärft. Es entsteht durch die Distanzierung vom Realen, Wirklichen aber auch eine seltsame Nähe zum Publikum. Indem man sich auf der Bühne seiner Rolle nicht sinngemäß hingeben kann, entsteht schließlich ein größerer Fokus auf die eigene Selbstwahrnehmung. Manchmal kommt sogar eine scheinbare Selbstgewissheit ins Wanken. Gedanken kommen mehr als sonst. Man fühlt sich beobachteter als sonst, wenn man im Stück nicht mit seinen Mitspielern agieren kann. Der psychologische Moment des Darstellers richtet sich gleichsam gegen diesen selbst. Das einzige was dann noch hilft, ist es, sich komplett zu öffnen und aus dem tiefsten Inneren zu strahlen. Hoffend, genug Feuer zur Selbstentfachung in sich zu tragen.


Lulu at Salzburg Festspiele, Amfortas at Monnaie. Wotan. Was sind die groessten Herausforderungen, die Sie in letzter Zeit auf der Buehne begegnen?

Grundsätzlich ist jede Partie in jeder Inszenierung eine Herausforderung. Selbst kleinere Rollen müssen sehr gut, wenn nicht sogar besser gesungen werden. Ich akzeptiere für mich keinen Stillstand. Amfortas ist eine in jeder Beziehung total unterschiedliche Herausforderung wie ein Don Giovanni, Wotan, Rigoletto oder Macbeth es ist. Mal liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Schauspielerischen, wie bei einem Wozzeck oder Macbeth. Mal ist es mehr die Gesangsinterpretatorische Ebene, wie bei einem Posa oder auch Amfortas. Rigoletto, Wotan oder Don Giovanni sind Charakterstudien. Hier muss man einfach in die Rolle passen, sonst wird es unglaubwürdig. Prinzipiell gibt es keine leichten Rollen, an die ich mich erinnern könnte gesungen zu haben. Für mich hat es jeder Charakter verdient, dass man sich mit ihm identifiziert. Manche Rollen liegen einem zwar mehr als andere, aber genau das ist eben auch eine der größten Herausforderungen, auch hier wahrhaftig das Beste daraus zu machen.

Wie passt Regie Theater in Ihrer Prioritaeten rein? Ist am meisten was Sie gebetet werden moeglich, oder veraendern Sie Dinge fuer Ihr selbst?

Ich bin mit dem Regietheater gross geworden und sehe darin keinen Widerspruch zu einer schlüssigen, spannenden, sängerfreundlichen und funktionierenden Inszenierung. Ich hatte nie Angst, etwas nicht machen zu können. Ich bin grundsätzlich neugierig. Mit guten und klugen Regisseuren kann man sich immer verständigen. Prinzipiell ist nichts unmöglich. Manches erweist sich nur manchmal in der Umsetzung als nicht praktikabel, dann muss man gemeinsam eine Lösung finden.



Sie haben Zwillinge, die 3 Jahre alt sind. Wie hat sich die Kunst mit Ihren Kindern verändert?

Meine Auffassung von Kunst und die Erkenntnis über deren oberste Priorität in einem erfüllten Leben, hat sich definitiv durch und mit meinen Kindern erhöht. Ich habe schon immer gewusst, wie wichtig mir mein Singen für mein Seelenheil ist. Meine Kinder zeigen mir jeden Tag aufs neue wie wichtig meine Arbeit für das allgemeine Seelenheil ist. Es ist ein großes Geschenk Sänger zu sein, ein noch größeres ist es, Kinder zu haben.



Perfect words from a minister. Thank you Thomas Johannes for your insight. You continue to amaze us by your singing. There has never been a show when I couldn't tell that people were quietly crying as they walk beside you, singing your final aria. Very inspiring singing and very inspirational words here.

3 comments:

Lucy said...

Wow - toll. The impression I'm getting is that the cast of Parsifal is incredibly thoughtful and articulate; thanks for sharing. Vielen Dank allen Beteiligten!

Anonymous said...

I have to admit that being next to Thomas when he starts to sing "wehe, wehe,..." is an unforgetable feeling.
The fact we (the figurants) have to learn the chorus text for the playback, has given us the opportunity to fully understand the context. I think I will fall on the stage one of these days. That's the advantage of being unpaid ;-) you just let it go and enjoy.

By Mlle CharLes

Geert said...

Like Andrew said, "the voice of God himself", and I can hear him from so close ... I feel so lucky to be on stage with you, THANKS Thomas !!!